It’s Marrakech, not Marracredit

Standard

Wie einige sicherlich schon bemerkt haben bin ich von meinem einwöchigen Aufenthalt in Marokko wieder zuhause angekommen und werde nun nach und nach die ca. 1200 Fotos, die ich in dieser Zeit gemacht habe sortieren. Da ich nebenbei ja auch noch einer beruflichen Tätigkeit nachgehe, bitte ich um ein wenig Geduld. Das meiste ist sowieso Ausschuss, aber der Schnappschuss auf der Strasse produziert davon halt mehr als die sorgfältig geplante Aufnahme.

Das Land selbst ist auf jeden Fall einen Besuch wert, wenn man die Mentalität der Leute akzeptiert und damit spielerisch umgehen kann. In Marrakesch kann man nicht einmal ein Taxi nehmen, ohne über den Preis verhandeln zu müssen. Es ist dort Volkssport Touristen über’s Ohr zu hauen, also verhandelt man hart, startet bei 10-30% des ersten Angebots und trifft sich dann bei 30-50%. Theatralik und emotionales Verhalten können durchaus hilfreich sein und werden von den Marokkanern ebenfalls gerne angewendet. Es schadet nicht, sich ein wenig mit der Materie (Silberpreis, Stoffqualität) auszukennen, bevor einem Polyester für Kaschmir angeboten wird. Bargeld lacht, es schadet auch nicht einen großen Vorrat an Dirham-Münzen mitzuführen. 

Viele Europäer empfinden das Verhalten der Marokkaner besonders in den großen Städten wie Casablanca und Marrakesch als aufdringlich und distanzlos. Das kann ich bestätigen, allerdings muss man sich daran gewöhnen dass man nicht auf jede Frage antworten und nicht jede angebotene Hand schütteln muss. Vielfach hilft es einfach, abzuwinken bzw. mit der Mimik zu signalisieren, dass man kein Interesse hat. Wer trotzdem freundlich bleibt, kann eine Menge sehen, lernen und erfahren. Bettler sind allgegenwärtig, selbst bettelnde Kinder sieht man zu jeder Tages- und Nachtzeit. Von diesen sollte man sich allerdings nicht erweichen lassen, es besteht eine allgemeine Schulpflicht für 7-13jährige, die nur allzu gern umgangen wird, solange Betteln sich lohnt (und das tut es immer noch).

Fotografisch haben mich besonders das Stadtleben und die Wüste interessiert. Aber auch Küstenstädte wie Essaouira und das Atlasgebirge haben viel zu bieten. Einheimische werden freilich nicht gerne fotografiert, allerdings zerstört man sich schöne Motive durch vorheriges Nachfragen. Ein alter Mann auf dem Jamaa el Fna liess sich auf Nachfrage gerne fotografieren, danach war allerdings durch die übertriebenen Posen kein Bild mehr brauchbar. Da muss man einfach vorher abdrücken, freundlich sein, das gemachte Bild zeigen, den Zweck vermitteln und verhandeln. Schlechte Bilder sollte man dann auch sofort löschen. Ein Grundwortschatz in französischer Sprache hilft einem oft weiter, viele touristisch aktive Einheimische verstehen auch Englisch. In ländlichen Gegenden kann es vorkommen, dass die Menschen nur Arabisch verstehen oder sogar ausschliesslich die Berbersprachen sprechen.

Trotz der 1200 Aufnahmen habe ich nebenbei gesagt mehr als genug Gelegenheiten gehabt, die Kamera nicht mitzunehmen und einfach das Leben dort zu geniessen; kurz gesagt: mich treiben zu lassen.

Advertisements

Eine Antwort »

  1. Ich jedenfalls wäre da hoffnungslos verloren, weil ich nicht handeln mag. Aber die Bilder sehe ich mir sehr gerne an, sie wirken auf mich wie aus einer anderen resp. mir eben sehr fremden Welt.
    Auf eine bestimmte Art bin ich innerlich auf Mittelalter gepolt. Und das ist auch sehr gut so.
    Immerhin hat mir ein lieber Mensch mal Sand aus dem Marrakesch mitgebracht – was meine Sand (Sänder? Sande?) Sammlung sehr bereichert hat…

    Viele Grüße und Dank für die Eindrücke, lieber Knapskipser, Knepskisper, Kipsknasker…

    Bertha

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s