An die Wand gestellt

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Neulich hatte ich Gäste und das Thema kam auf die Fotografie. Plötzlich kam die Frage auf: „Wo hast du denn deine Bilder hängen?“ – zugegebenermaßen verweilt nicht ein einziges meiner Bilder an den 97qm umbauten Raumes unserer Wohnung. Warum eigentlich? Das war keine bewusste Entscheidung. Ich schaue mir einfach meine eigenen Bilder nicht sonderlich gerne an. Ich habe sie einmal gemacht, etwas dabei gefühlt oder gedacht, aber dann ist der Moment vorbei und das Bild ist bereits Teil der Vergangenheit. Und warum sollte ich immer wieder daran zurückdenken, täglich, immer wenn ich an dem Ort vorbeigehe an dem das Bild hängt wie in einer Dauerausstellung? Es erscheint mir auch (ein wenig) eitel, meine eigenen Bilder dauerhaft anschauen zu wollen. Man könnte vielleicht noch etwas daraus lernen, dieses und jenes beim nächsten Mal besser zu machen – jedenfalls ist das der Tenor der Behauptungen. Aber im Endeffekt sollen Bilder meiner Meinung nicht als dauerhaftes Mahnmal in der Wohnung hängen sondern eher als inspirierendes und dekoratives Element, oder auch um die Erinnerung an bestimmte Ereignisse anzukurbeln. Da ich diese Bilder gemacht habe finde ich sie nicht mehr inspirierend und da ich sie alle sehr gut kenne, auch nicht mehr dekorativ – eher langweilig. Als Mensch der eher visuell denkt sind die meisten Erinnerungen sowieso als Bilder in meinem Kopf gespeichert, ich muss sie also nicht an der Wand hängen haben. Stattdessen hänge ich lieber (wenige) Gegenstände auf, die diese Erinnerungen wachhalten ODER aber die Bilder anderer Fotografen. Ich brauche einfach keine meiner eigenen Bilder in meiner Wohnung. Hier und da hängt ein wenig „dekorativer Bilderkitsch“ herum, aber sonst? Erinnerungen auf Polaroid, ein Leinwandpanorama, die besagten Aufnahmen anderer Fotografen, aber die Wände sind nicht mit eigenen Bildern gefüllt.

Trotzdem finden viele diese Einstellung merkwürdig. Mich würde interessieren, ob es ähnliche Meinungen diesbezüglich gibt, oder ob ich mit der „keine eigenen Bilder an den eigenen 4 Wänden“-Einstellung ziemlich alleine dastehe.

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Eine Antwort »

  1. ich fand in Italien auf dem Land eine Deutsche, die eine komplette Wand ihrer gemütlichen Wohnküche und außerdem noch den Flurschrank von oben bis unten mit gerahmten Fotos gepflastert hatte . Auf vielen Fotos war sie auch selber drauf – ich fand es befremdlich….. bis ich begriff, wieviel Dankbarkeit sie damit in all den Jahren verbindet, diesen Menschen begegnet zu sein oder Länder/Städte kennengelernt zu haben.

    Bei mir in der Zahnarztpraxis laufen auf screens im Warte- und Behandlungszimmer Fotos des Meisters – jedoch immer ohne erkennbare Menschen – ich finde es kurzweilig, da auch gut gemacht.

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