Test: 50mm f/1.2 AiS Nikkor

Standard

Ich schau fett in die Röhre, um ganz genau zu sein durch eine Röhre mit einer Öffnung von 1:1.2 – dem ollen manuellen 50mm Ai-S Nikkor.

Die Dinger kann man entweder gebraucht bei eBay kaufen, zu horrenden Preisen versteht sich, oder für denselben Preis fabrikneu. Die meisten Deppen können leider gar nicht glauben, dass diese „Schätzchen“ immer noch in Sendai vom Band laufen, immer noch komplett in Metall gefasst mit eingefrästen Skalen.

Ich habe meines für günstiges Geld aus den Händen eines Mannes gerettet, der diese Granate hinter einen Soligor Makroadapter geschraubt hat. Das ist ungefähr so passend als würde man einen Araberhengst vor eine Bierkutsche spannen.

Das Objektiv ist immer noch rein manuell einzustellen. Canon stellt 50mm Objektive her, die eine Öffnung von 1:1.2 haben und einen Ultraschall-AF besitzen, das EOS-Bajonett hat einfach ein grösseres Auflagemaß, das Nikon-F-Bajonett hat den deutlich kleineren Durchmesser. Darum bleibt uns Nikon noch heute ein f/1.2 Autofokusobjektiv schuldig.

Allerdings kauft sich keiner das 50mm f/1.2 um es völlig aufzublenden. Wer mal mit dem Canon 50er oder dem 85er fotografiert hat, der weiss dass man die Dinger auf jeden Fall abblenden muss um gute Ergebnisse zu erhalten. Genauso ist es mit dem 1.2er Nikkor. Es ist nämlich eine der Normalbrennweiten wenn man es auf f/2 abblendet. Noch höhere Abbildungsschärfe hat nur das 58mm f/1.2 Noct Nikkor, und beide haben eine Gemeinsamkeit, die nur wenige Festbrennweiten teilen: 9 Blendenlamellen für die Bokeh-Huren (auf die smoothen Highlights gehen wir alle steil!) und geile 18-strahlige Spitzlichter.

Abblenden kann man es bis maximal f/16. In der analogen Reportage mit einer FA oder FM3a spielt es seine Stärken voll aus, aber ich benutze es auch manchmal (eher selten) mit der D3 und stelle die Objektivdaten manuell im Benutzermenü ein. Die D3 hat auch immer noch den Adapter zum Abgreifen des Blendenringes, die Übertragung der Objektiveinstellungen an die digitale Kamera erfolgt also problemlos.

Das Objektiv verzeichnet kaum wahrnehmbar tonnenförmig, muss eigentlich nicht korrigiert werden. Keine Vignettierung, selbst weit offen. Die Verarbeitungsqualität war schon immer gut. Der Fokussierring sitzt stramm, ist aber leicht beweglich – ein echter Genuss, fokussieren mit der Fingerspitze. Die meisten Digitalhuren werden natürlich die Nase rümpfen, aber alle Leute die ihre linke Hand noch zu was zu gebrauchen wissen werden mir zustimmen wenn ich sage: that’s analogue at it’s finest hours.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s